Samstag, 3. Juni 2017

Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei - Selten so gelacht

Vor ziemlich genau 18 Jahren habe ich meiner Grundschullehrerin eine Postkarte mit diesem Text geschenkt:

Lehrer haben vormittags recht und nachmittags frei

Als Drittklässler fand ich das furchtbar witzig. Meine Lehrerin fand das möglicherweise nicht ganz so witzig, glaube ich heute.

Ich bin jetzt seit einigen Wochen als Referendarin tätig. Ich habe einen Einblick, was es heißt, Lehrer zu sein. Und eins bedeutet es definitiv nicht: Freizeit. Vor allem mit Kind hat man einen ziemlich straffen Zeitplan. Das hat man in anderen Jobs definitiv genauso, aber ich denke kaum einem Job wird so viel Nichtstun nachgesagt wie den Lehrern, vor allem, wenn sie verbeamtet sind.

Ich möchte euch heute mal einen kurzen Einblick in einen typischen Tag geben, an dem ich in der Schule arbeite:

5:30 Uhr:

Aufstehen, fertig machen, Frühstück für mich, für Leon und für den Kindergarten vorbereiten. Wenn ich Glück habe, schläft Leon da noch und ich kann alles in Ruhe machen. Meist ist er aber schon wach und möchte nebenbei auch noch beschäftigt werden. Klamotten für alle, Unterlagen für die Schule und alle Utensilien fürs Frühstück lege ich abends schon zurecht. Das erspart morgens Stress und Hektik.

6:00 Uhr:
Frühstücken. Die Zeit muss sein. Ich esse zwar meist nichts, aber ich sitze daneben, wenn Leon seine Haferflocken löffelt.

6:45 Uhr:
Abfahrt zum Kindergarten. Der macht um 7:00 Uhr auf und Leon ist fast immer der erste.

7:03 Uhr:
Kind im Kindergarten abgegeben und los gehts zur Schule. Die ist 35 km weg. Das passt gerade so.

7:50 Uhr:
Unterrichtsbeginn bei den Erstklässlern. Heute habe ich 2 Stunden Mathe in Klasse 1, dann Englisch in Klasse 4, Mathe in Klasse 3 und nochmal Englisch in der anderen 4. Klasse.

12:35 Uhr:
Ende des Vormittagsunterricht. Nun habe ich 1,5 Stunden Pause. Die nutze ich, um kurz was zu essen. Dann bereite ich Unterricht vor bzw. setze mich mit Kollegen zusammen, um meinen Unterricht zu besprechen. Momentan unterrichte ich als Referendar ja noch die Klassen anderer Lehrer, die in der Zeit beobachten. Erst nach den Sommerferien unterrichte ich dann alleine. Ich versuche in diesen 1,5 Stunden Pause so viel wie möglich zu schaffen, denn dann habe ich abends zuhause weniger zu tun. Außerdem ist in der Schule viel Material vorhanden, das man braucht.

14:10 Uhr:
Weiter gehts. Lernatelier in der Ganztagsbetreuung. Hier arbeite ich mit den Kindern, die nachmittags in der Schule betreut werden.

15:40 Uhr:
Schulfrei. Ich hetze zum Auto und fahre nach Hause.

16:30 Uhr:
Ich hole Leon vom Kindergarten ab.

16:45 Uhr - 18:30 Uhr:
Spielen, Kochen, Abendessen, Kind baden, Kind ins Bett bringen. Viel Zeit bleibt uns heute nicht zusammen. Aber diese Zeit gehört Leon exklusiv. Das bin ich ihm schuldig.

18:30 Uhr:
Leon ist im Bett. Für mich gehts an den Schreibtisch. Unterricht muss vorbereitet werden, Unterrichtsentwürfe geschrieben werden. Außerdem Lernen fürs Seminar, Hausarbeiten schreiben oder Referate vorbereiten.

21:30 Uhr:
Ich hab genug für heute. Ich lege noch alle Sachen für morgen früh raus, gehe schnell unter die Dusche und dann ins Bett.

Ihr seht. Mein Tag ist vollgepackt und an diesem Tag habe ich noch nichts im Haushalt erledigt.  Zwischen 5:30 Uhr am Morgen und 21:30 Uhr am Abend hatte ich (abgesehen von 10 Minuten Mittagessen) keine Zeit für mich selbst. Nachmittagsunterricht habe ich Gott sei Dank nur einmal pro Woche. Dafür bin ich aber 2x wöchentlich nachmittags im Seminar. Da bin ich dann erst nach 18:00 Uhr zuhause.

Also Nein, vormittags recht und nachmittags frei stimmt ganz und gar nicht.  Momentan habe ich inklusive Unterricht, Unterrichtsvorbereitung, Seminar und Lernen ungefähr eine 45 - Stunden - Woche. Dazu kommt dann eben noch Haushalt. Den Rest der Zeit verbringe ich mit meiner Familie.
Ich mache meinen Job bisher aber gerne und dafür nimmt man dann auch den Stress in Kauf.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen